Weiter sportlicher Stillstand beim FSV 1912 e. V.

Der pandemiebedingte sportliche Stillstand hält leider für alle 4 Abteilungen weiter an. Nur die Kleinsten konnten auf dem Fußballfeld in kleinen Gruppen trainieren. Zeit für einen kleinen und auch sehr willkürlichen Rückblick in die Geschichte des FSV 1912 bzw. seiner Vorläufer.

Was war vor 100, 75, 50 und 25 Jahren ?

Und wer erinnert sich noch an Namen ?

 
 
Vor 100 Jahren fieberten alle Friedrichshagener Fußballbegeisterten dem ersten richtigen Auftritt „ihrer Burgunder“ entgegen. Die waren erstarkt und wurden den Erwartungen auch gerecht. Burgund und Union Fürstenwalde bestimmten ihre Abteilung in der Bezirksklasse und stiegen am Ende auch im Winter 1920/21 beide im Tandem auf ! Jeder gewann ein reguläres Punktspiel (kurioserweise jeweils auswärts) und da alle einen Meister küren wollten, gab es am 22. Mai (lange nach Ende der Bezirksklassensaison !) ein absolutes Entscheidungsspiel in Adlershof vor großer und sehr stimmungsvoller Kulisse. Der SC Burgund 1912 siegte in einem rasanten Kampfspiel mit 2:1 und errang so die überhaupt erste Meisterschaft für den Club. Neben diesem ersten Titel feierte man auch beim Club die Premiere einer weiteren Sportart: Tennis (später mit großen Erfolgen !!) und den überragenden Erfolg der ersten Schülermannschaft, die 17x gewann, 97x einnetzte und nur 2 Gegentreffer kassierte. Viele dieser damals 13/14-Jährigen wurden später absolute Leistungsträger beim SC Burgund, die aktuellen Spieler der ersten Herren-Meistermannschaft aber hießen: Bröge, Schmidt I und II, Schneider I und II, Plew, Kelpe, Vereinsgründer und Vorsitzender Erich Noster, Gotta, Aschenbrenner, Weidner.

 

75 Jahre zurück gab es nur endlich Frieden zu bejubeln, der Burgunder und der SV 09-Platz im Hirschgartendreieck wahren kahl, das Holz der Tribünen und Baracken verbrannt, das Spielfeld verwaist. Die Menschen hatten andere Sorgen: Essen, Bleibe, Überleben und Aufbau des umfassend Zerstörten. Nur wenige dachten an Fußball, aber es gab auch im Frühjahr 1946 schon Einige in Friedrichshagen, die wieder spielen wollten. Und ein Jahr später erfüllte sich dann auch dieser kleine Traum....

 

Die Serie 1970 / 71 vor 50 Jahren war wieder eine der bemerkenswertesten in unserer Geschichte. Wir hießen SG Friedrichshagen, gehörten keiner Betriebssportgemeinschaft an und hatten dennoch eine vierstellige Mitgliederzahl in verschiedenen Abteilungen wie Fußball, Volleyball, Gymnastik, Tennis, Segeln. Aushängeschild neben Tennis die Fußballer, die mit enormen Verstärkungen (R. Müller, W. Weißenborn, P. Schmidt) in die neue Serie gingen und am Ende den verdienten Aufstieg mit 20 Siegen aus 32 Spielen und 77 : 30 Toren in die höchste (Ost)-Berliner Spielklasse feiern konnten. Es war der Beginn der „goldenen Fußballjahre“ in Friedrichshagen und einer dieser damaligen Cracks neben den Genannten und „Maggie“ Wagner, R. Zipper, J. Wendt, H. Hellwig oder Torwart B. Heinen mit seinen Händen wie Kohleschaufeln, war der junge „Bernie“ Kohlt, der bei dieser Konkurrenz von Klasse- Fußballern zum Fußballer des Jahres gewählt wurde.

 

Wieder ein ganz anderes Bild "nur" 25 Jahre zurück in der Zeit zur Serie 1995/96. Zwei Vereine konkurrierten in Friedrichshagen um die Gunst der Anhänger, Eintracht mit Blickrichtung Nachwuchs, Burgund (so wieder der Name nach 1990) fast ohne Nachwuchs. Erst ein Jahr zuvor hatte man wieder mit Nachwuchsarbeit überhaupt begonnen, nach fast 10 Jahren Stillstand. Die 1. Herren dümpelten mehr oder weniger vor sich hin, es gab Querelen um Trainer und Leistungen und Rivalitäten. Resultat auch dafür der Abstieg aus der KL A in einer Serie, in der erstmals die 3-Punkte-Regel für einen Sieg zur Anwendung kam. Kein Ruhmesblatt in der grün-weißen Geschichte, andererseits aber auch wieder ein Beginn. Denn der Kampf um die Vorherrschaft in Friedrichshagen erbrachte in der Folge Atmosphäre, Spannung, Aufmerksamkeit, Ansporn, Ein-, Aus- und Übertritte, aber eben auch sportliche Leistungsschübe und endete vorerst dann 2000 mit einem Doppelaufstieg in die Bezirksliga, darin eingebettet das vielbeachtete Intermezzo VIAG-Intercom-Cup dann 1999, das viel, viel Sympathie, Außenwirkung und Anerkennung brachte.
Und einige Namen rufen heute noch „Ach-ja“ Erinnerung hervor: Pietsch, Dönitz, Engel, Hohensee, Winkelmann, Gärtner, Sachs (Fußballer des Jahres 95/96!), Niessler, Kühnel bestimmten in beiden Ortsvereinen ihre jeweiligen Teams.

 

M. Engel, FSV 1912 e. V.